Anwalt für Trier



Für wen besteht Handlungsbedarf?

Verbringt der Deutsche seinen Ruhestand im Ausland, z.B. in seinem Ferienhaus in Frankreich, will aber nicht, dass sich die Erbfolge und mögliche Pflichtteilsansprüche nach ausländischem Recht richten, kann er eine Rechtswahl zu Gunsten des deutschen Rechts treffen. Diese muss jedoch ausdrücklich in einer Verfügung von Todes wegen erfolgen.

Ein besonderer Handlungsbedarf besteht daher für Personen,

- die ihren Wohnsitz nicht in Deutschland haben, weil sich damit auch ihr gewöhnlicher Aufenthalt außerhalb von Deutschland befindet oder

- die beabsichtigen, längere Zeiten außerhalb von Deutschlands zu leben oder

- die zwar weiterhin in Deutschland leben, aber regelmäßig im Ausland arbeiten (hier ist bisher nicht eindeutig geklärt, ob allein auf den familiären und/oder sozialen Daseinsmittelpunkt abgestellt wird und nicht der berufliche Daseinsmittelpunkt entscheidend ist).

Alle diese genannten Personen sollten sich darüber bewusst sein, dass sich im Erbfall ihr Vermögen nur dann nach Ihrem Heimatrecht vererbt, wenn sie eine Rechtswahl in einer letztwilligen Verfügung getroffen haben. Haben sie das nicht getan, kann sich die Frage, wer Erbe geworden ist und zu welcher Quote nach einem ausländischen Recht beurteilen.

Auch wer bereits ein Testament oder einen Erbvertrag errichtet hat, sollte sich nicht automatisch auf der sicheren Seite glauben. Bei Errichtung in der Vergangenheit bestand in der Regel kein Anlass, eine Rechtswahl zu treffen. Gehört man zu einer Personengruppe mit besonderem Handlungsbedarf, empfiehlt sich eine Prüfung und Aktualisierung der Verfügung von Todes wegen. Böse Überraschungen aus einer nicht getroffenen Rechtswahl können sich insbesondere dann ergeben, wenn das Recht des Aufenthaltsortes die Bindungswirkungen des deutschen Gemeinschaftlichen Testaments nicht anerkennt. Die im Gemeinschaftlichen Testament vorgenommene gegenseitige Erbeinsetzung der Ehegatten wird in der Regel nur vorgenommen, weil sich die Testierenden darauf verlassen, dass das Vermögen nach dem Letztversterbenden an die Kinder geht. Es gibt jedoch EU-Staaten, wie z.B. Italien, denen diese Bindungswirkung in Testamenten fremd ist, so dass der Inhalt der letztwilligen Verfügung bei Versterben des Erblassers mit letztem Aufenthalt

in einem solchen Staat u.U. nicht zur Anwendung kommt und sich die Erbfolge nach den gesetzlichen Erbfolgebestimmungen des Aufenthaltsstaates richten würde.



Kanzlei für Erbrecht in Trier
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